Keine Sorge:
Ihr müsst vor unserer Reise keinen japanischen Benimmkurs mit Abschlussprüfung absolvieren.
Japaner wissen natürlich, dass wir Gäste sind und nicht jede kulturelle Feinheit kennen können. Wer freundlich, aufmerksam und respektvoll auftritt, wird in aller Regel überhaupt keine Probleme haben.
Es gibt aber ein Grundprinzip, mit dem sich erstaunlich viele japanische Verhaltensweisen erklären lassen:
Mach anderen möglichst keine Umstände.
Nicht unnötig laut sein.
Niemandem den Weg versperren.
Nicht vordrängeln.
Seinen Müll nicht irgendwo liegen lassen.
Nicht ungefragt in die Privatsphäre anderer eindringen.
Kurz gesagt:
Achte ein bisschen mehr auf deine Umgebung als nur auf dich selbst – und du hast schon sehr viel richtig gemacht.
In Bahn & öffentlichem Nahverkehr
Tokyo transportiert jeden Tag Millionen Menschen durch ein erstaunlich gut funktionierendes System.
Damit das funktioniert, gibt es ein paar unausgesprochene Regeln.
Leise sein
Normale Gespräche sind natürlich völlig okay.
Aber:
Sanfte Lautstärke reicht vollkommen.
Sehr laute Gespräche quer durch den Wagon wirken schnell unangenehm.
Besonders wichtig:
Nicht im Zug telefonieren.
Smartphones werden normalerweise lautlos gestellt und Telefonate auf später verschoben.
Wenn wir also gemeinsam in der Bahn sitzen, müssen wir nicht versuchen, den ganzen Wagon an unseren Tageserlebnissen teilhaben zu lassen.
Erst raus – dann rein
Wenn eine Bahn einfährt:
Seitlich anstellen und zuerst alle aussteigen lassen.
Danach einsteigen.
Eigentlich logisch.
Wenn man sich allerdings deutsche Regionalbahnhöfe anschaut, offenbar doch erwähnenswert.
Schlange bedeutet Schlange
An Bahnsteigen gibt es häufig Markierungen auf dem Boden, an denen sich die Leute anstellen.
Bitte einfach hinten anstellen.
Nicht:
„Ach, da vorne ist noch Platz.“
Nein.
Da vorne ist Platz, weil dort jemand vor euch steht.
Rucksack beachten
In einer vollen Bahn wird ein großer Rucksack schnell zum unbeabsichtigten Rammbock.
Deshalb bei viel Betrieb:
Rucksack abnehmen, festhalten oder – wenn möglich – die dafür vorgesehenen Ablagen nutzen.
Auch an Türen möglichst nicht stehen bleiben, wenn hinter euch noch Menschen ein- oder aussteigen möchten.
Priority Seats respektieren
Die gekennzeichneten Priority Seats sind vor allem für ältere Menschen, Schwangere, Menschen mit Behinderung oder Personen gedacht, die aus gesundheitlichen Gründen einen Sitzplatz benötigen.
Wenn jemand diesen Platz offensichtlich dringender braucht:
Aufstehen.
Das kostet uns nichts und bedeutet jemand anderem vielleicht sehr viel.
Mitten im Weg stehen – bitte nicht
Tokyo ist schnell.
Sehr schnell.
Hundert Menschen können sich erstaunlich effizient durch einen Bahnhof bewegen.
Bis irgendwo eine Gruppe Touristen nebeneinander stehen und gemeinsam Google Maps studieren.
Wenn ihr Orientierung braucht:
Geht kurz an den Rand.
Das gilt besonders auf:
- Bahnsteigen
- Treppen
- Bahnhofsgängen
- Rolltreppen
- stark frequentierten Gehwegen
- Und natürlich auch beim Fotografieren.
Nicht mitten im Menschenstrom plötzlich stehen bleiben, weil irgendwo ein GT-R vorbeifährt.
Auch wenn ich verstehen würde, warum.
Augen auf beim Smartphone
Google Maps wird unser bester Freund.
Trotzdem:
Bitte nicht komplett aufs Display starren und dabei durch eine Menschenmenge laufen.
Wenn ihr etwas nachschauen müsst:
Kurz an den Rand – Karte checken – weitergehen.
Die japanische Tourismusbehörde weist inzwischen ausdrücklich darauf hin, dass blockierte Wege und unaufmerksames Smartphone-Laufen gerade an stark besuchten Orten Probleme verursachen können.
Fotografieren: Erst denken, dann auslösen
Das betrifft uns natürlich ganz besonders.
Tokyo ist unglaublich fotogen.
Das bedeutet aber nicht automatisch, dass alles und jeder unser Fotomotiv sein möchte.
Menschen gezielt fotografieren
Wenn eine einzelne Person klar das Hauptmotiv eures Fotos ist:
Fragt möglichst vorher.
Ein freundlicher Blick, ein kurzes Zeigen auf die Kamera und:
„Shashin, ii desu ka?“ - Darf ich ein Foto machen?
reichen häufig schon.
Wenn jemand ablehnt:
Lächeln, bedanken und weitergehen.
Keine Diskussion.
Privatgrund bleibt Privatgrund
Nur weil irgendwo ein fantastisches Auto, eine interessante Werkstatt oder ein cooler Hinterhof zu sehen ist, bedeutet das nicht:
„Geil, da gehen wir jetzt rein.“
Bitte keine Grundstücke, Werkstätten oder abgesperrten Bereiche ohne Erlaubnis betreten.
Und bitte niemals für ein Foto auf Straßen, Gleise oder andere gefährliche Bereiche stellen.
Niemanden für ein Foto blockieren
Ein gutes Bild ist keine Entschuldigung dafür, anderen Menschen dauerhaft den Weg abzuschneiden.
Kurz fotografieren:
Perfekt.
Eine komplette Produktion mitten auf einer Treppe aufbauen:
Eher weniger.
Die Japan Tourism Agency empfiehlt ausdrücklich, Menschen nicht ungefragt zu fotografieren, auf die Umgebung zu achten und Privatgrund nicht ohne Erlaubnis zu betreten.
Für unsere Car-Spots und Treffen machen wir später noch einmal eigene Regeln.
Denn:
Gucken: ja.
Fotografieren: meistens ja.
Anfassen: nein.
Auf fremden Autos posieren: Wir setzen euch in den nächsten Flieger nach Frankfurt.
Müll gehört euch
Etwas, das vielen beim ersten Japanbesuch auffällt:
Tokyo ist unfassbar sauber.
Und gleichzeitig denkt man irgendwann:
WO. SIND. DIE. MÜLLEIMER?!
Öffentliche Mülleimer sind deutlich weniger verbreitet, als wir es aus Deutschland gewohnt sind.
Die Lösung ist erstaunlich einfach:
Müll so lange mitnehmen, bis ihr ihn korrekt entsorgen könnt.
Deshalb hatten wir in unserer Packliste bereits den kleinen Müllbeutel empfohlen.
Getränkedosen und PET-Flaschen können häufig an entsprechend gekennzeichneten Recyclingstellen entsorgt werden.
Was wir nicht machen:
Verpackungen irgendwo auf Mauern stellen.
Müll neben einen bereits vollen Mülleimer legen.
Oder aus einer Parkbank spontan eine kommunale Entsorgungsstation machen.
Essen im Gehen – ein bisschen Fingerspitzengefühl
Hier gibt es oft zu pauschale Reiseregeln.
Essen im Gehen ist nicht einfach grundsätzlich „in Japan verboten“.
Aber gerade an stark frequentierten Orten oder bei Streetfood ist es häufig höflicher, das Essen in der Nähe des Standes oder an einem vorgesehenen Bereich zu essen, statt damit durch Menschenmengen zu laufen.
Außerdem gibt es Orte, an denen ausdrücklich darum gebeten wird, nicht beim Laufen zu essen.
Deshalb:
Schilder beachten und ein bisschen schauen, was die Menschen um euch herum tun.
Der einfachste Japan-Trick überhaupt:
Wenn ihr unsicher seid – schaut kurz, wie es die Einheimischen machen.
Schuhe aus bedeutet Schuhe aus
In normalen westlichen Hotels ist das meistens kein großes Thema.
Aber in:
traditionellen Restaurants
Ryokans
Tatami-Räumen
manchen Tempeln
privaten Wohnungen
kann es Bereiche geben, die nicht mit Straßenschuhen betreten werden.
Meist erkennt ihr das ziemlich schnell.
Es gibt eine Stufe, Schuhregale oder bereitgestellte Hausschuhe.
Dann gilt:
Schuhe aus.
Und bitte mit Socken weiter.
Jetzt wisst ihr auch, warum wir euch dringend davon abraten, die Unterhose mit den Löchern einzupacken.
Bei den Socken gilt das nämlich ebenfalls.
Achtung Toiletten-Hausschuhe!
In manchen traditionellen Unterkünften gibt es separate Hausschuhe ausschließlich für die Toilette.
Diese bitte nach dem Toilettengang auch dort lassen.
Mit den Toilettenpantoffeln gemütlich zurück zum Frühstück zu schlendern, ist ein japanischer Klassiker unter den Touristen-Fails.
Verbeugen – keine Wissenschaft daraus machen
Ihr müsst nicht lernen, welcher Verbeugungswinkel in welcher gesellschaftlichen Situation exakt korrekt ist.
Ein kleines höfliches Nicken oder eine leichte Verbeugung bei:
- Begrüßung
- Bedanken
- Verabschieden
- Entschuldigen
ist vollkommen ausreichend.
Zusammen mit einem freundlichen:
„Arigatō gozaimasu“
funktioniert das wunderbar.
Bitte versucht nicht plötzlich, japanischer als die Japaner zu werden und euch beim Bezahlen gegenseitig bis auf den Boden zu verbeugen.
Die genaue Verbeugungsetikette kann sehr komplex sein – von ausländischen Reisenden wird aber nicht erwartet, sie vollständig zu beherrschen.
Weniger Körperkontakt ist völlig normal
Begrüßungen in Japan beinhalten häufig weniger Körperkontakt als bei uns.
Eine spontane Umarmung oder ein kräftiges deutsches:
„NA MEIN GUTER!“
inklusive Schulterklopfer kann deshalb etwas überraschend kommen.
Orientiert euch einfach am Gegenüber.
Wenn jemand die Hand ausstreckt:
Natürlich Händeschütteln.
Wenn jemand sich verbeugt:
Kurz zurücknicken.
Niemand erwartet von euch eine perfekte kulturelle Performance.
Freundlichkeit schlägt perfektes Japanisch
Einige Menschen, denen wir begegnen werden, sprechen Englisch.
Andere nur wenig.
Und einige überhaupt nicht.
Das ist vollkommen okay.
Was meistens erstaunlich gut funktioniert:
Langsam sprechen.
Kurze Sätze.
Keine komplizierten Redewendungen.
Google Translate benutzen.
Zeigen.
Lächeln.
Und ein paar japanische Wörter kennen.
Bitte nicht automatisch immer lauter Englisch sprechen, wenn euch jemand nicht versteht.
Die japanische Sprache besitzt leider keine versteckte Funktion, bei der Englisch ab 85 Dezibel plötzlich übersetzt wird.
Ein einfaches:
Sumimasen – Entschuldigung / Verzeihung
und
Arigatō gozaimasu – Vielen Dank
bringen euch unglaublich weit.
Dazu machen wir euch noch eine eigene Sprachseite.
Trinkgeld: einfach nicht
Das ist für uns Deutsche ungewohnt einfach:
In Japan wird normalerweise kein Trinkgeld gegeben.
Nicht im Restaurant.
Nicht im Taxi.
Nicht im Hotel.
Guter Service ist Teil der Dienstleistung und wird nicht zusätzlich über Trinkgeld honoriert.
Bezahlt einfach den angegebenen Betrag und bedankt euch freundlich.
Ein:
„Arigatō gozaimashita!“
mit einem Lächeln ist vollkommen ausreichend.
Es gibt einige spezielle Ausnahmen – etwa private Guides, bei denen unter bestimmten Umständen eine kleine Aufmerksamkeit akzeptiert werden kann – aber im normalen Reisealltag gilt:
Kein Trinkgeld.
Im Restaurant
Japanische Restaurants wirken manchmal zunächst komplizierter, als sie tatsächlich sind.
Ein paar Dinge solltet ihr aber kennen.
Stäbchen
Zwei Dinge bitte unbedingt vermeiden:
Stäbchen senkrecht in den Reis stecken
und
Essen direkt von Stäbchen zu Stäbchen weiterreichen
Beides erinnert an Rituale rund um japanische Bestattungen.
Wenn ihr etwas weitergeben wollt:
Auf einen Teller legen und die andere Person nimmt es von dort.
Bitte außerdem nicht mit Stäbchen auf Menschen zeigen oder damit Schlagzeug auf dem Geschirr spielen.
Wir sind schließlich im Restaurant und nicht beim Tokyo Drum Festival.
Ramen schlürfen?
Dürft ihr!
Müsst ihr aber nicht.
Nudeln hörbar zu schlürfen ist völlig akzeptiert.
Niemand erwartet allerdings, dass ihr versucht, einen kompletten Ramen-Topf mit der Lautstärke eines Industriestaubsaugers einzusaugen.
Oshibori
In vielen Restaurants bekommt ihr ein kleines feuchtes Handtuch.
Das nennt sich Oshibori.
Es ist zum Reinigen der Hände gedacht.
Nicht zum:
Gesicht waschen.
Nacken schrubben.
Tisch putzen.
Oder spontane Katzenwäsche durchführen.
Rauchen nur dort, wo es erlaubt ist
Wer raucht:
Bitte nicht einfach irgendwo auf der Straße eine Zigarette anzünden.
Gerade in Tokyo gibt es ausgewiesene Raucherbereiche und lokale Rauchverbote.
Auch Rauchen im Gehen ist vielerorts untersagt.
Also:
Raucherbereich suchen – dort rauchen – fertig.
Tempel & Schreine sind keine Freizeitparks
Natürlich besuchen wir solche Orte.
Und natürlich dürfen wir dort fotografieren, wenn es erlaubt ist.
Aber denkt daran:
Für viele Menschen sind das aktive religiöse Orte.
Deshalb:
- ruhig und respektvoll verhalten
- Absperrungen beachten
- Fotoverbote beachten
- keine religiösen Gegenstände anfassen
- keine Menschen beim Gebet stören
- in Gebäuden gegebenenfalls Schuhe ausziehen
Ihr müsst nicht zwingend jedes Ritual mitmachen.
Respekt reicht vollkommen.
Pünktlichkeit
Das hier ist ausnahmsweise keine kulturelle Feinheit.
Das ist auch eine TCE-Regel.
Wenn wir sagen:
08:30 Uhr Treffpunkt
bedeutet das:
08:30 Uhr stehen wir da.
Nicht:
08:30 Uhr dusche ich.
08:30 Uhr suche ich meine Objektivkappe.
Oder:
08:30 Uhr schreibe ich in die WhatsApp-Gruppe:
„Bin gleich da.“
Tokyo besitzt außerdem die wunderbare Fähigkeit, aus einem vermeintlich einfachen Bahnhof einen Dungeon mit 48 Ausgängen zu machen.
Deshalb:
Lieber fünf Minuten früher losgehen.
Die goldene Japan-Regel
Wenn ihr irgendwann nicht wisst:
Kann ich das?
Ist das hier okay?
Wie verhält man sich?
Dann helfen euch drei Dinge:
- Schaut, was die Menschen um euch herum tun.
- Fragt freundlich, wenn ihr unsicher seid.
- Störe ich damit gerade jemanden?
Wenn die Antwort auf Nummer 3:
„Eigentlich schon …“ lautet –
dann habt ihr die Antwort meistens bereits gefunden.
Die 10 TCE-Goldregeln
Wenn ihr euch sonst nichts merkt:
1. Sei freundlich.
2. Sei nicht unnötig laut.
3. Stell dich ordentlich an.
4. Lass Menschen erst aussteigen.
5. Blockiere keine Wege.
6. Nimm deinen Müll mit.
7. Fotografiere Menschen nicht ungefragt aus nächster Nähe.
8. Betritt keinen Privatgrund für ein Foto.
9. Fass nichts an, was dir nicht gehört – insbesondere keine fremden Autos.
10. Wenn du unsicher bist: Sumimasen + Lächeln.
Damit kommt ihr in Japan verdammt weit.